Donnerstag, 31. Oktober 2002
Frau Warrens Gewerbe
Drama von George Bernard Shaw
Mit: Werner Opitz, Sonja Bastian u.a.
Kleines Theater Bad Godesberg
Frau Warren stammt aus den Londoner Slums und wurde als Prostituierte tätig.
Später wendet sie die kapitalistischen Spielregeln auf ihr Gewerbe an und baut
ein florierendes internationales Bordell-Kartell auf. So kann sie ihrer Tochter
Vivie den Luxus einer hoch moralischen Erziehung und ein Universitätsstudium
ermöglichen. Vivie gerät in eine Gewissenskrise, als sie erkennt, wie sehr die
idealistischen Maßstäbe, die man ihr anerzog, mit der Wirklichkeit in der eigenen
Familie im Widerspruch stehen. Jeder in dieser Familie hat ein doppeltes Gesicht:
Sir Croft, der ehrenwerte Aristokrat, ist mit seinem Vermögen an Frau Warrens
Liebesmarkt beteiligt. Der fromme Pfarrer Gardner entpuppt sich als Ex-Liebhaber
ihrer Mutter, und vielleicht ist sein Sohn Frank, mit dem Vivie sich verloben
will, gar ihr Halbbruder. Vivie rechnet mit der Mutter ab, sagt sich von ihr
und der Vergangenheit los. Mutter Warren hat ihrer Tochter zwar moralische Prinzipien
vermittelt, aber wenig Menschlichkeit - und auch nicht die Einsicht, daß sie
sich als Mutter für Vivie aufgeopfert hat. Frau Warren wird nun ihre Einsamkeit
und Enttäuschung noch skrupelloser an der Gesellschaft rächen ...
Das Stück mit seinen sorgfältig differenzierten Figuren ist eine tief beeindruckende
Anklage gegen soziale Mißstände und Scheinmoral. Seine Aktualität verbüfft jeden,
der das Werk wieder auf der Bühne erlebt.
"Von nun an ... werde ich Unrecht tun und Unrecht tun und immer wieder Unrecht
tun. Und ich werde dabei reich werden."
Zuletzt geändert am: 21.08.2002
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